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Die Wahrheit über emotionales Essen – warum wir essen, obwohl wir keinen Hunger haben

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Der Tag neigt sich dem Ende zu, die Aufgaben sind erledigt, und plötzlich ist da dieses komische Gefühl, das sich kaum benennen lässt.

Eigentlich bist du satt vom Abendessen und weißt, dass dein Körper eigentlich nichts mehr braucht. Und trotzdem spazierst du wieder zum Kühlschrank, öffnest Schubladen und bist auf der Suche nach etwas Süßem. Irgendetwas in dir sucht offensichtlich nach mehr. Nach etwas, das befriedigt oder gestillt werden soll, aber eigentlich nicht Hunger ist.

Viele Menschen, die zu mir kommen, beschreiben ein diffuses Gefühl und schämen sich dafür, weil sie glauben, es läge an mangelnder Disziplin. Dabei hat es mit Willenskraft nichts zu tun.

Warum unser Gehirn Essen mit Sicherheit verbindet

Nach zehn Jahren therapeutischer Arbeit weiß ich, dass sich dieses Gefühl nicht mit Essen stillen lässt, weil es mit etwas anderem zu tun hat. Und trotzdem nutzt unser Nervensystem Essen als die schnellste Form der Beruhigung.

Genau genommen ist das evolutionär auch sinnvoll. Für unsere Vorfahren bedeutete Nahrung Sicherheit, Überleben und Geborgenheit. Ein voller Bauch signalisierte, dass alles gut und sicher ist. Sinnvoll oder auch nicht, dieses uralte Programm läuft noch heute in uns ab.

Heute, wo Essen immer verfügbar ist, wird dieser Mechanismus allerdings zu unserem Stolperstein. Wir essen nicht aus Hunger, sondern aus einem anderen Bedürfnis heraus, und fühlen uns danach oft nicht so gut, wie wir es eigentlich wollten.

Was wir wirklich suchen, wenn wir abends zur Schokolade und Chips essen

Eine Klientin beschrieb es für mich einmal sehr treffend. Nach einem langen Arbeitstag, wenn die Kinder im Bett waren und endlich Ruhe einkehrte, bekam sie ein so großes Verlangen nach Schokolade, dass sie dem nicht widerstehen konnte. Für einen kurzen Moment hielt die Schokolade und beruhigte, aber hinterließ ein unangenehmes Gefühl.

Was suchen wir eigentlich wirklich in diesen Momenten? Ist es Trost nach einem langen und anstrengenden Tag? Oder Belohnung. Häufig ist es einfach nur das Gefühl, uns selbst etwas Gutes zu tun nach einem Tag, an dem wir so viel leisten mussten und kaum Zeit für uns hatten. Das Essen wird so zu einem Ersatz für das, was wir eigentlich brauchen, und das kann für jeden etwas anderes sein, aber oft scheint es Zuwendung, Ruhe oder auch Verbindung zu sein.

In den Abendstunden sind viele besonders anfällig dafür. Tagsüber sind wir beschäftigt und abgelenkt und manchmal sogar permanent in Bewegung. Aber wenn die Geschäftigkeit nachlässt, kommen unerfüllte Bedürfnisse an die Oberfläche. Die Müdigkeit, die wir den ganzen Tag ignoriert haben. Die Einsamkeit, die wir nicht spüren wollten. Die Überforderung, die wir weggeschoben haben.

Der Unterschied zwischen emotionalem von körperlichem Hunger

Im heutigen Video zeige ich dir meine Methode, wie du emotionalen von körperlichem Hunger unterscheiden kannst. Dein Bauchgefühl ist dabei dein wichtigster Kompass.

Körperlicher Hunger kommt langsam. Er baut sich auf, beginnt leicht im Magen und er ist offen für verschiedene Nahrungsmittel. Nach dem Essen fühlst du dich zufrieden und genährt.

Emotionaler Hunger dagegen kommt plötzlich und fordert dringend eine sofortige Befriedigung. Er verlangt nach bestimmten Lebensmitteln, die meist süß oder fettig sein sollen und schnelle Kalorien liefern. Nach dem Essen bleibt oft ein schales Gefühl zurück, manchmal auch Schuld- oder Schamgefühle, weil wir es wieder nicht verhindern konnten.

Warum Kontrolle nicht, aber liebevolle Beobachtung helfen kann

Sich das Essen zu verbieten, vergrößert die Sehnsucht nur, Verbote erzeugen Druck und Druck erzeugt Gegendruck. Ein Teufelskreis entsteht und kann auf diese Weise keine nachhaltige Lösung sein.

Vielleicht liegt die Lösung darin, zu verstehen, was wir in solchen Momenten wirklich suchen. In meiner Praxis arbeite ich mit dem Konzept der liebevollen Beobachtung. Statt gegen uns zu kämpfen, werden wir zu freundlichen Forschern unserer eigenen Muster.

Eine Frau, Mitte vierzig, kam zu mir, weil sie jeden Abend eine Tafel Schokolade aß, und das war nur das, was sie leicht beschämt zugeben wollte, erwähnte sie. Sie ärgerte sich schon kurze Zeit später dafür und spätestens am nächsten Morgen sehr. Sie kämpfte so sehr dagegen an, verlor aber immer wieder. Sie entdeckte in unserer Arbeit, dass die Schokolade ihre Art war, sich für den Tag zu belohnen. Sie hatte nie gelernt, sich auf andere Weise etwas Gutes zu tun.

Eine kleine Übung für den Moment, bevor du zum Kühlschrank gehst

Wenn du merkst, dass du jetzt gerne aus Gewohnheit oder Unruhe zum Kühlschrank gehen möchtest, halte für einen Moment inne, um genauer hinzuhorchen.

Stelle dir innerlich drei einfache Fragen:

1. Was fühle ich gerade wirklich? (Zum Beispiel: Müdigkeit, Leere, Überforderung, Einsamkeit, Frust.)

2. Was würde mir jetzt wirklich guttun – unabhängig vom Essen? (Ruhe, Nähe, Ablenkung, Anerkennung, Entlastung.)

3. Wenn dieses Gefühl sprechen könnte – was würde es mir sagen?

Oft reicht es, das Bedürfnis überhaupt erst zu benennen. Manche Menschen entscheiden sich danach bewusst fürs Essen. Andere merken, dass sie etwas ganz anderes brauchen und beides ist in Ordnung.

Ein einfaches Abendritual, das emotionalen Hunger unterbricht

Viele meiner Klienten entwickeln ein neues Abendritual, das ihnen hilft, mit emotionalem Hunger umzugehen.

Wenn die Unruhe kommt, machen sie sich erst einmal eine Tasse Tee, und zwar nicht als Ersatz fürs Essen, sondern als Übergangsritual. Während das Wasser kocht, fragen sie sich: Was brauche ich wirklich gerade?

Manchmal ist es ein warmes Bad. Manchmal ein Telefonat mit einer Freundin. Manchmal einfach nur zehn Minuten an die frische Luft gehen. Der Tee wird zur Brücke zwischen dem automatischen Impuls und der bewussten Entscheidung.

Warum Veränderung nicht radikal sein muss

Eine Klientin erzählte mir nach einigen Wochen, dass sie immer noch gerne Schokolade aß, aber jetzt anders, nämlich bewusster, wodurch sie mehr genießen konnte. Und oft würde dann auch nur ein kleines Stück reichen, weil sie vorher spürte, was sie wirklich brauche.

Und das kann eine echte Chance sein, nach und nach mehr Bewusstsein zu entwickeln. Mehr Mitgefühl mit sich selbst und mehr Verständnis für die eigenen Bedürfnisse.

Emotionales Essen ist ein Hinweis darauf, dass etwas in uns gesehen und gehört werden möchte. Wenn wir aufhören, uns zu ignorieren, und anfangen, neugierig zu werden, öffnet sich ein neuer Raum.

Warum Essen mehr als Nahrung ist

In unserer Kultur ist Essen mit so viel mehr verbunden als nur Nahrungsaufnahme. Es ist Liebe (denk an Omas Kuchen). Es ist Geselligkeit (gemeinsame Mahlzeiten). Es ist Trost (Hühnersuppe bei Krankheit). Es ist Belohnung (das Eis nach der bestandenen Prüfung).

Es ist kein Wunder, wenn wir unbewusst und automatisch zum Essen greifen wollen, wenn wir diese Gefühle suchen, und erst einmal ist das auch kein Problem, es entsteht erst, wenn Essen die einzige Strategie wird und wir verlernen, uns auf andere Weise zu nähren.

Neue Wege der Selbstfürsorge und was dich wirklich nährt

Was nährt dich unabhängig von Essen wirklich? Diese Frage stelle ich meinen Klienten oft. Die Antworten sind so unterschiedlich wie die Menschen selbst. Für manche ist es Musik. Für andere ein Spaziergang in der Natur. Wieder andere benötigen kreative Tätigkeiten oder tiefgründige Gespräche.

Der Schlüssel liegt darin, ein Repertoire an Möglichkeiten aufzubauen und zu nutzen. Das macht uns handlungsfähig und frei, weil du dann wirkliche Alternativen hast, die kein billiger Ersatz sind, sondern das, was du wirklich brauchst.

Warum gerade die Abendstunden so viel über unsere Bedürfnisse verraten

Diese Stunde des Tages birgt oft eine besondere Botschaft und wir können wieder mehr mit uns in Kontakt kommen. Das kann schön sein, aber wenn wir ehrlich sind, auch recht unbequem.

Wenn wir es als Chance sehen, dann ist das die beste Zeit in der wir uns kennenlernen können. Wir haben die Möglichkeit hinzuschauen und zu lernen, auf Weise für uns zu sorgen, die uns guttut.

Der Weg mit emotionalem Hunger neu umzugehen, ist ein Weg zurück zu uns selbst. Zu unseren wahren Bedürfnissen und einer liebevolleren Beziehung mit uns und unserem Körper. Und ich finde, es lohnt sich, genauer hinzuhören, weil sich hinter dem vermeintlichen Hunger oft eine Weisheit verbirgt, die nur darauf wartet, gehört zu werden.

Wenn du bereit bist, einen neuen Weg mit emotionalem Hunger zu gehen, begleitet dich mein Online-Kurs dabei. Mit denselben Methoden, die auch meine Klienten in Einzelsitzungen so schätzen. Du lernst, die Signale deines Körpers zu verstehen und neue Wege der Selbstfürsorge zu finden.

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