Jetzt beginnen

Emotionale Erschöpfung bei leistungsorientierten Menschen

burnout emotionale erschöpfung führungskräfte leistungsorientiert perfektionismus überwinden selbstmitgefühl lernen vagusnerv-übung Jan 07, 2026

Sie saß vor mir, diese beeindruckende CEO, und ihre Hände zitterten kaum merklich, als sie ihr Wasserglas abstellte, aber so, dass es mir auffiel. Maßgeschneiderter Blazer, perfektes Make-up, strahlende Fassade. Sie verstand es auch sofort, eine positive Stimmung zu kreieren, als sie in die Praxis kam. Aber nach zehn Jahren als Therapeutin sehe ich, was andere oft übersehen. Ich sah die durchgearbeiteten Nächte in ihren Augen, die Last der Verantwortung in ihrer Haltung und auch Traurigkeit.

Sie erzählte, dass sie nicht mehr so funktionieren würde, wie sie es eigentlich jahrelang von ihr gekannt hatte. Nichts klappte mehr richtig und sie hatte oft Mühe, sich zu konzentrieren. Mit diesen Worten zerbrach ihre Fassade. Diese Frau, die ein großes Unternehmen führte, die 200 Mitarbeiter durch Krisen navigierte und immer stark sein musste, weinte in meiner Praxis.

Die Epidemie der Erfolgreichen und wenn Perfektion zur Falle wird

Nach 10 Jahren in meiner Berliner Praxis habe ich etwas kennengelernt, was mich immer wieder berührt: Je erfolgreicher Menschen sind, desto tiefer ist oft ihre emotionale Erschöpfung. Sie kommen zu mir mit Burnout-Symptomen, die sie lange ignoriert haben. Schlaflose Nächte, weil sie nicht "runterkommen". Dieses Gefühl, nie genug zu sein oder alles wieder verlieren zu können, und das, obwohl sie objektiv so vieles erreicht haben.

In meiner Arbeit erlebe ich oft, wie tief diese Glaubenssätze sitzen. Wenn ich meine Klienten in einen entspannten Zustand führe, kommen die wahren Überzeugungen ans Licht: "Ich bin nur wertvoll, wenn ich leiste." "Pause machen ist Schwäche." "Alle verlassen sich auf mich." Diese Sätze haben sich über Jahre in ihr Unterbewusstsein eingegraben.

Wann sind wir als Gesellschaft in diese Perfektionismus-Falle getappt? Wann wurde aus gesundem Ehrgeiz dieser gnadenlose, strenge innere Antreiber? Oft beginnt es schleichend. Ein "Ja" hier, eine Zusatzaufgabe dort. Immer die Ersten im Büro, die Letzten, die gehen. "Wer rastet, der rostet". Ein Satz, den viele verinnerlicht haben, ohne zu merken, wie groß der Einfluss auf das Leben ist.

Emotionale Erschöpfung erkennen: Die Warnsignale, die zu oft übersehen werden

Der Körper vergisst nichts. Jedes übergangene Bedürfnis, jedes geschluckte "Nein", jede durchwachte Nacht – er führt Buch. 

Bei meiner CEO-Klientin waren es zitternde Hände und dann die Panikattacke im Auto auf dem Weg zur Arbeit. Sie hatte das Gefühl, eine Rolle spielen zu müssen, die ihr eigentlich drei Nummern zu groß war, obwohl sie die Rolle objektiv perfekt ausfüllte.

Diese Stress-Symptome sind wie Zeichen unseres Körpers, erst in freundlichem Ton, dann immer dringlicher. Emotionale Erschöpfung bei Führungskräften zeigt sich oft in dieser Reihenfolge:

Zuerst kommen die körperlichen Signale. Verspannungen wandern vom Nacken in den Kopf. Der Schlaf wird unruhiger. Das Herz stolpert manchmal. Die Verdauung klappt nicht ganz so gut. Alles Dinge, die man mit "nur Stress" abtut und die man leicht beiseiteschieben kann.

Dann folgen die emotionalen Zeichen. Tränen, die aus dem Nichts kommen. Oder gar keine Tränen mehr. Scheinbar eine übertriebene Reizbarkeit bei Kleinigkeiten. Das Gefühl, neben sich zu stehen.

Schließlich die mentalen Symptome. Konzentrationsprobleme trotz dreifachem Espresso. Entscheidungen, die früher leicht fielen, machen noch mehr Druck und werden quälend. Bis der Perfektionismus, der einen erst antrieb und zu Höchstleistungen anspornte, zu lähmen beginnt.

Der Wendepunkt kann Selbstmitgefühl statt Selbstoptimierung sein

Wenn Menschen begreifen, dass sie aufhören dürfen, zu kämpfen. Dass sie nicht noch mehr leisten müssen, sondern vielleicht sogar weniger. Und obendrein nicht noch härter zu sich sein müssen, sondern  weicher, freundlicher und liebevoller.

Im heutigen Video teile ich eine Übung, die für viele meiner Klienten viel verändert hat. Denn Selbstmitgefühl ist kein esoterischer Luxus, es ist überlebenswichtig. Besonders für leistungsorientierte Menschen, die gelernt haben, dass Schwäche zeigen gefährlich ist. Dass sie nur geliebt werden, wenn sie leisten.

Meine Klienten schauen mich manchmal skeptisch an, wenn ich von Selbstmitgefühl spreche, weil sie für so etwas doch keine Zeit haben und es ehrlicherweise auch oft noch gar nicht kennen. Überraschend wird es oft für sie, wenn sie merken, dass sie im Grunde aber keine Zeit haben, es NICHT zu tun.

Die alles verändernde Vagusnerv-Übung

Ich möchte dir etwas zeigen, was so einfach ist, dass dein Verstand es vielleicht erst ablehnt. Diese Übung hat schon vielen meiner Klienten geholfen, aus dem Überlebensmodus herauszukommen und sich wieder sicherer zu fühlen:

Die Herz-Kohärenz-Übung (3–5 Minuten):

Leg beide Hände auf dein Herz, eine über der anderen. Schließ die Augen oder lass deinen Blick auf einem Punkt vor dir ruhen. Spüre nun erst einmal nur die Wärme deiner Hände auf deiner Brust.

Atme nun bewusst durch die Herzgegend ein und aus. Stell dir vor, dein Atem fließt direkt durch dein Herz. Einatmen für 5 Sekunden, ausatmen für 5 Sekunden. Dieser Rhythmus beruhigt dein Nervensystem.

Während du so atmest, erinnere dich an einen Moment, in dem du dich geliebt gefühlt hast. Oder an etwas, wofür du dankbar bist. Es muss nichts Großes sein und kann schon der Duft von Kaffee am Morgen sein, ein Lächeln oder eine Umarmung. Lass dieses Gefühl in dir und in deinem Herzen größer werden.

Zum Abschluss sage innerlich zu dir: "Möge ich freundlich zu mir sein. Möge ich mir geben, was ich brauche. Möge ich in Frieden mit mir sein."

Diese simple Übung aktiviert deinen Vagusnerv. Das ist der längste Hirnnerv in unserem Körper und der Schlüssel zur emotionalen Regulation. Wenn wir ihn aktivieren, passiert etwas Faszinierendes, denn das Nervensystem schaltet vom Überlebensmodus in einen sicheren Modus der Verbindung.

Die Macht der Hypnose bei emotionaler Erschöpfung

Ich verbinde in meiner Arbeit mit Hypnose oft Körperübungen, entweder vorgestellt oder durchgeführt, weil emotionale Erschöpfung nicht im Kopf entsteht, sondern eigentlich viel tiefer im Unterbewusstsein wurzelt. Unter Hypnose können wir direkt mit diesen tiefen Überzeugungen arbeiten.

Eine Klientin erinnerte sich in der Hypnose daran, dass sie in ihrer Kindheit glaubte, dass nur wenn sie wirklich lieb und fleißig war auch Liebe verdienen würde. Und tatsächlich lobte sie Ihr Vater vor allem dann, wenn sie besonders gut in der Schule war. Diese frühe Programmierung trieb sie 40 Jahre lang an, machte sie zwar auch erfolgreich und leistungsfähig, aber es hatte auch einen hohen Preis der Erschöpfung.

In der Hypnose konnte sie diesem kleinen Mädchen in sich begegnen und ihm sagen, dass es geliebt ist,  einfach weil es da ist. Dieser Moment war sehr emotional und tiefgreifend und half, ihren Blick liebevoller auf sich zu richten.

Was bei Burnout-Prävention wirklich hilft

Emotionale Erschöpfung bei leistungsfähigen Menschen hat System. Und auch wenn viele Ratgeber ein besseres Zeitmanagement propagieren, geht es eigentlich nicht darum. Denn die meisten meiner Klienten sind genau in diesem Bereich bereits Meister. Es geht auch nicht um Work-Life-Balance, ein Begriff, der suggeriert, Arbeit und Leben seien Gegensätze.

Ich denke, dass es darum geht, die eigene Menschlichkeit wiederzuentdecken und zu verstehen, dass unsere vermeintlichen Schwächen unsere größten Stärken sind. Dass verletzlich zu sein, großen Mut bedeutet und dass Pausen keine Zeitverschwendung sind, sondern Investitionen in sich selbst.

Meine CEO-Klientin hat das verstanden und führt ihr Unternehmen heute erfolgreicher. Ihr Erfolg sieht jetzt anders aus, weil sie ihre Grenzen wahrnimmt und sie nicht ignoriert, sondern offen darüber spricht. Sie hat gelernt, dass wahre Führung bedeutet, auch sich selbst zu führen, nämlich mit Güte und Wohlwollen.

Der Mut zur emotionalen Freiheit

Emotionale Freiheit bedeutet, authentisch zu sein und nicht alles zu schaffen und nicht immer stark zu sein, sondern menschlich.

Menschen brauchen keine weiteren Strategien oder Techniken. Sie brauchen die Erlaubnis, menschlich zu sein. Sie brauchen jemanden, der sie ohne Vorurteile sieht und ihnen zeigt, das sie genug sind, so wie sie sind und dass sie angenommen und geliebt werden.

Und nach diesem Ansatz arbeite ich, weil ich dir nicht noch mehr To-dos gebe, sondern dir zeigen möchte, wie du aufhören kannst zu kämpfen und wie du aus der Erschöpfung in die Kraft findest. Wie du vom Funktionieren ins Leben kommst.

Der Weg dorthin beginnt mit einem radikalen Akt, anzuerkennen, dass du genug bist. Genauso, wie du jetzt bist. Mit all deinen Erfolgen, deinen Kämpfen und auch Niederlagen. Mit deiner Stärke und deiner Erschöpfung.


Wenn du bereit bist, diesen Weg in die emotionale Freiheit zu gehen, begleitet dich mein Buch "Perfekt Unperfekt" dabei. Es ist eine Einladung, Frieden mit dir zu schließen und aus dem Hamsterrad des Perfektionismus auszusteigen.

→ Mehr über "Perfekt Unperfekt" erfahren

Impulse für dein Nervensystem & deine Freiheit

Erhalte exklusive Tipps aus über 10 Jahren therapeutischer Praxis. Ich teile mit dir meine effektivsten Methoden für mehr innere Ruhe und echte Selbstfürsorge – fundiert, menschlich und direkt anwendbar.

Kein Spam, nur echte Impulse. Abmeldung jederzeit mit einem Klick möglich.